06.03.2026
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Reisesicherheit: Richtiges Verhalten bei einem Raketenalarm

Was tun, wenn während einer Geschäftsreise im Nahen Osten ein Raketenalarm ausgelöst wird? Ein kompakter Ratgeber über die richtigen Verhaltensweisen – im Freien, im Gebäude und im Fahrzeug. Basierend auf den Empfehlungen des Auswärtigen Amtes.

Ein Alarm, für den die wenigsten vorbereitet sind.

Geschäftsreise nach Tel Aviv, Investorentreffen in Riad, Projektbesuch in Erbil. Der Nahe und Mittlere Osten ist für viele Entscheider, Unternehmer und Fachkräfte ein regelmäßiges Reiseziel. Was in Briefings und Reisevorbereitungen häufig fehlt: eine konkrete Handlungsanweisung für den Fall eines Raketenalarms.

Die geopolitische Lage in der Region macht dieses Szenario nicht hypothetisch. Es ist real, es kommt vor – und wer in diesem Moment nicht weiß, was zu tun ist, verliert die entscheidenden Sekunden.

Das Auswärtige Amt hat für deutsche Staatsangehörige im Nahen und Mittleren Osten klare Verhaltensempfehlungen formuliert. Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Handlungsanweisungen zusammen – gegliedert nach Aufenthaltsort zum Zeitpunkt des Alarms.

Szenario 1: Im Freien

Wer sich bei Auslösung eines Raketenalarms im Freien aufhält, hat eine Priorität: Schutz im nächsten Gebäude suchen. Massivbauten bieten den besten Schutz – Glasfassaden, Schaufenster und Eingangsbereiche sind zu meiden.

Wenn kein Gebäude erreichbar ist: Flach auf den Boden legen, den Kopf mit den Händen schützen und möglichst Abstand zu Fahrzeugen, Glasflächen und frei stehenden Objekten halten.

Entscheidend: Nach Ende des Alarms mindestens zehn Minuten am Schutzort verweilen. Splittertreffer und Sekundäreinschläge durch Trümmerteile abgefangener Raketen sind eine reale Gefahr, die häufig unterschätzt wird. Der Alarm signalisiert nicht automatisch Entwarnung – die Nachlaufzeit ist Teil des Schutzes.

Szenario 2: Im Gebäude

Innerhalb eines Gebäudes gelten differenzierte Regeln, die von der Gebäudestruktur abhängen.

Schutzraum verfügbar: Auf direktem Weg in den Luftschutzraum oder Luftschutzbunker begeben. In Israel sind diese in vielen Gebäuden standardmäßig vorhanden und als „Mamad“ (gesicherter Raum) oder „Miklat“ (Bunker) gekennzeichnet.

Kein Schutzraum vorhanden: Das Treppenhaus aufsuchen – es gehört zu den stabilsten Teilen der meisten Gebäudestrukturen und bietet Schutz vor Splittern und herabfallenden Trümmern.

Gebäude mit drei Stockwerken: Das zweite Stockwerk aufsuchen. Es gilt als der stabilste Bereich, da die Decke durch das darüber liegende Geschoss zusätzlich gestützt wird und gleichzeitig Abstand zum Erdgeschoss besteht.

Gebäude mit mehr als drei Stockwerken: Das Erdgeschoss und die obersten beiden Stockwerke meiden. Das Erdgeschoss ist durch mögliche Druckwellen und Splitter besonders gefährdet, die oberen Etagen durch Direkttreffer oder einstürzende Dachkonstruktionen.

Grundsätzlich gilt: Niemals im Eingangsbereich eines Gebäudes aufhalten. Glastüren, Fensterfronten und Eingangsverglasungen erzeugen bei Druckwellen erhebliche Splittergefahr. Fenster geschlossen halten, Abstand zu Glasflächen wahren und sich in innenliegenden Räumen positionieren.

Szenario 3: Im Fahrzeug

Wer sich zum Zeitpunkt des Alarms in einem Fahrzeug befindet, sollte am Straßenrand anhalten, das Fahrzeug verlassen und Schutz im nächsten Gebäude oder unter dem nächsten massiven Unterstand suchen.

Wenn das Verlassen des Fahrzeugs nicht möglich ist: Am Straßenrand anhalten, Motor abstellen, sich unterhalb der Fensterlinie positionieren und den Kopf mit den Händen schützen. Ein Fahrzeug bietet nur minimalen Schutz gegen Splitter und Druckwellen – es ist keine geschützte Umgebung.

Was zu vermeiden ist: Weiterfahren, auf der Fahrbahn stehen bleiben oder versuchen, mit hoher Geschwindigkeit den Bereich zu verlassen. Die Reaktionszeit bei einem Raketenalarm liegt je nach Region zwischen 15 Sekunden und wenigen Minuten. In dieser Zeitspanne zählt jede Sekunde für die richtige Positionierung – nicht für Fortbewegung.

Was Reisende vorab wissen sollten

Die Kenntnis der richtigen Verhaltensweisen ist nur ein Element. Ebenso relevant ist die Vorbereitung vor Reiseantritt.

Warnsysteme kennen. In Israel warnt die App „Home Front Command“ (Pikud Ha'Oref) in Echtzeit vor Raketenbeschuss – einschließlich regionaler Alarmzonen und empfohlener Schutzzeiten. Wer in die Region reist, sollte diese App installiert haben, bevor er landet.

Unterkunft prüfen. Verfügt das Hotel über einen Schutzraum? Wo befindet er sich? Wie ist der Zugang geregelt? Diese Fragen sollten beim Check-in geklärt werden – nicht im Alarmfall.

Routen und Aufenthaltsorte bewerten. Nicht jede Region ist gleich exponiert. Eine Lagebeurteilung vor Reiseantritt hilft, Risikozonen zu identifizieren und Aufenthalte entsprechend zu planen.

Verhalten kommunizieren. Wer mit Mitarbeitern, Familie oder Delegationen reist, sollte die Verhaltensregeln vor Ort im Vorfeld besprechen. Im Ernstfall bleibt keine Zeit für Erklärungen.

Die zehn-Minuten-Regel

Eine Empfehlung, die sich durch alle Szenarien zieht und die häufig ignoriert wird: Nach Ende des Alarms mindestens zehn Minuten am Schutzort verbleiben. Der Grund ist operational: Abfangraketen erzeugen Trümmerteile, die über einen weiten Radius niedergehen können. Fehlgeleitete oder nicht abgefangene Raketen können verzögert einschlagen. Die Entwarnung durch Sirenen bezieht sich auf die primäre Bedrohung – nicht auf die Folgewirkungen.

Wer zu früh den Schutzort verlässt, setzt sich einem Risiko aus, das durch einfaches Abwarten vermeidbar wäre.

Die eigentliche Frage

Raketenalarme lassen sich nicht planen. Aber das eigene Verhalten im Alarmfall lässt sich vorbereiten – und genau das macht den Unterschied.

Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Reisesicherheitsberatung. Er liefert Grundlagen, die jeder kennen sollte, der in Regionen mit erhöhtem Risikoprofil reist. Die Entscheidung, wie umfassend die eigene Vorbereitung ausfallen sollte, hängt von der konkreten Reise, dem Aufenthaltsort und dem persönlichen Risikoprofil ab.

Dieser Beitrag dient der fachlichen Information und ersetzt keine individuelle Sicherheitsberatung. Für eine vertrauliche Einschätzung Ihrer persönlichen Sicherheitslage steht Ihnen die Cesiun GmbH zur Verfügung.
Zusammenfassung

Was tun, wenn während einer Geschäftsreise im Nahen Osten ein Raketenalarm ausgelöst wird? Ein kompakter Ratgeber über die richtigen Verhaltensweisen – im Freien, im Gebäude und im Fahrzeug. Basierend auf den Empfehlungen des Auswärtigen Amtes.

Cesiun GmbH
Veröffentlichung
06.03.2026
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